Care als relationale Praxis


von Nils Kampschulte und Lina J. Zinkler: Mehr Information

Vortrag mit Diskussion wenn gewünscht

  • Sprache: Deutsch
  • Dauer: 20-30 min
  • In Präsenz

Um was geht´s?

In aktuellen Debatten wird Solidarität oft als moralischer Appell oder politisches Ziel verhandelt, bleibt in institutionellen Kontexten jedoch häufig wirkungslos und reproduziert bestehende Machtverhältnisse. Wir schlagen daher vor, radikale Solidarität nicht als Ausgangspunkt, sondern als Ergebnis veränderter Beziehungsweisen zu verstehen. Dabei knüpfen wir an Diskussionen um unbedingte Solidarität und radikale Fürsorge an. Unser Beitrag verortet sich an der Schnittstelle von Care Ethik, feministischer Ökologie und Resonanztheorie. Wir vertreten die These, dass gesellschaftliche Transformation weniger über Strukturen als über die Weise gelingt, in der Beziehungen organisiert und gelebt werden. Care fassen wir im Anschluss an anarchafeministische Perspektiven nicht als moralische Haltung, sondern als relationale Praxis, die bestehende Ordnungen irritieren und verschieben kann. Indem Care andere Formen des Wahrnehmens und Bezogenseins ermöglicht, eröffnet sie neue soziale Beziehungen jenseits von Hierarchie und Verwertungslogik. Radikale Solidarität erscheint in dieser Perspektive nicht als programmatisches Projekt, sondern als emergente Qualität veränderter Beziehungspraktiken. Sie entsteht dort, wo Beziehungen anders gelebt werden, nicht nur zwischen Menschen, sondern auch im Verhältnis zur mehr als menschlichen Welt.

Am Beispiel von Naturverhältnissen im Anthropozän zeigen wir, wie Natur nicht als Ressource, sondern als eigenständiger Beziehungspartner verstanden werden kann. In institutionellen Kontexten werden Spannungen zwischen Verwaltungslogiken und relationalen Naturverhältnissen sichtbar, die eng mit dem Homo oeconomicus verbunden sind. Daraus folgt, dass gesellschaftliche Transformation untrennbar mit einer Transformation unserer Naturbeziehungen verbunden ist. Solidarische Praxis muss daher auch als Solidarität mit der Natur gedacht werden, was Fragen planetarer Solidarität und ökologischer Verbundenheit berührt. Unser Beitrag versteht sich als theoretisch konzeptioneller Diskussionsbeitrag zur relationalen Neufassung von Care und radikaler Solidarität und lädt dazu ein, die Spannung zwischen struktureller Kritik und veränderter Beziehungspraxis gemeinsam weiterzudenken.


Zielsetzung des Beitrags

Unser Ziel ist es, radikale Solidarität nicht länger als abstraktes Programm, sondern als konkret erfahrbare Qualität veränderter Beziehungspraktiken fassbar zu machen. Wir möchten aufzeigen, dass gesellschaftliche Transformation vor allem über die Art und Weise gelingt, wie wir Beziehungen organisieren und leben, anstatt über Strukturen allein. Dabei geht es uns darum, Care als relationale Praxis zu etablieren, die bestehende Machtverhältnisse irritieren und neue Formen des Bezogenseins ermöglichen kann. Zudem wollen wir die Untrennbarkeit von sozialer und ökologischer Transformation betonen, indem wir Solidarität konsequent auf die mehr als menschliche Welt ausweiten. Letztlich laden wir dazu ein, die Spannung zwischen struktureller Kritik und gelebter Beziehungspraxis gemeinsam weiterzudenken.