Gegenseitige Hilfe seit Kropotkin
von Peter Seyferth
Vortrag (erst frontal, mit Präsentation; dann im dritten Drittel Q&A)
- Sprache: deutsch
- Dauer: 1h (kann auch länger/kürzer)
- In Präsenz (kann auch online übertragen werden)
Um was geht´s?
Ende des 19. Jahrhunderts widerlegte Pjotr Kropotkin die sozialdarwinistische (also auf Unterdrückung und Egoismus hinauslaufende) Interpretation der biologischen Evolutionstheorie. Er stellte dar, dass in der Entwicklung der Tierarten nicht so sehr die Konkurrenz der entscheidende Faktor ist, sondern vielmehr die gegenseitige Hilfe. Er tat das, um die Möglichkeit einer solidarischen Gesellschaft ohne Unterdrückung zu plausibilisieren. Entsprechend sind „gegenseitige Hilfe“, „Kooperation“, „Solidarität“ und sogar „Altruismus“ Kernbegriffe des Anarchismus. Inzwischen ist ein Großteil der Behauptungen Kropotkins von der Biologie bestätigt worden, allerdings ganz ohne seine radikalen Absichten. In mancher Hinsicht widerspricht sie seiner Theorie auch. Ich werde darlegen, worin sich Kropotkins wissenschaftlicher Anarchismus und die biologischen Theorien zur Erklärung der Kooperation ähneln und worin sie sich unterscheiden. Es genügt aber nicht, sich über die Richtigkeit einiger Faktenbehauptungen innerhalb einer sympathischen Ideologie zu freuen. Daher werde ich in kritischer Absicht hinterfragen, wozu naturwissenschaftliche und vor allem soziobiologische Theorien überhaupt genutzt werden können. Es geht mir dabei darum, den „naturalistischen Fehlschluss“ zu vermeiden. Aus empirischer Erkenntnis folgt noch lange keine normative Notwendigkeit. Also: Selbst wenn es stimmt, dass wir Menschen sehr solidarisch sein können, ist damit nicht erwiesen, dass wir herrschaftsfrei leben sollen. Dennoch können uns biologische und evolutionäre Theorien nützen: Sie begründen zwar keine ideologischen Überzeugungen, können sie aber begrenzen und somit teilweise davor bewahren, verblendetes Wunschdenken zu sein. Außerdem lassen sie sich in einem Ausschnitt des Kulturkampfes propagandistisch einsetzen, wenn es um das Menschenbild geht. Und schließlich lassen sie sich für Strategie- und Taktik-Diskurse auf hohem abstrakten Niveau einsetzen. Das mag sich alles schrecklich theoretisch anhören, aber ich werde genügend konkrete Beispiele verwenden, um anschaulich zu machen, was ich da behaupte. Es wird zwar durchaus theoretisch, aber nicht schrecklich.
Zielsetzung des Beitrags
Vermittlung von Wissen (Ideenhistorie anarchistischer und biologischer Thesen) Vermittlung von Können (Argumente gegen einige anti-anarchistische Behauptungen; außerdem ein Werkzeug für eigenes Theoretisieren)