Intergeschlechtlichkeit als Herausforderung für herrschaftskritische Gender-Ethik – Philosophische Zugänge und didaktische Perspektiven für die Bildungspraxis


von Ivana Nenadovic: Mehr Information

Vortrag/Diskussion

  • Sprache: Deutsch
  • Dauer: 30min
  • In Präsenz

Um was geht´s?

Intergeschlechtlichkeit irritiert binäre Geschlechternormen und offenbart Regime der Regulierung von Körpern, Identitäten und Lebenswegen. Aufbauend auf „Gender-Ethik und Intergeschlechtlichkeit“ (2026) verbindet der Beitrag queer-theoretische Ansätze und eine Ethik der Vulnerabilität mit einer forschungsnahen Didaktik für den Ethikunterricht. Die Argumentation entfaltet drei Ebenen:

  1. historische und medizinisch-rechtliche Entwicklungen von der Pathologisierung bis zu aktuellen menschen- und kinderrechtlichen Rahmenbedingungen;
  2. philosophische Perspektiven (Queer-Theorie, Care-/Vulnerabilitäts-Ethik) zur Analyse von Normordnungen und Herrschaftslogiken;
  3. die Übersetzung in pädagogische Praxis als relationale Solidarität, die Autonomie, Unversehrtheit und Teilhabe priorisiert. Präzise Begriffsklärungen jenseits binärer Schemata, Arbeit mit Vignetten und Medienbeispielen, Perspektivwechsel-Übungen sowie Reflexion eigener Positioniertheit werden als Instrumentarium vorgestellt, das Sichtbarkeit ermöglicht, ohne zu exotisieren oder Zwang zur Offenlegung zu erzeugen.

Methodisch wird ein kurzer Vortrag mit dialogischen Sequenzen oder ein Workshop gerahmt, der rechtliche und ethische Leitplanken klärt, typische didaktische Stolpersteine (Exotisierung, Bildsprache, Tokenisierung) analysiert und Moderationsimpulse anbietet (sensible Sprache, Pronomen-/Namensgebrauch, Schutz- und Beschwerdewege). Eine Praxissequenz illustriert, wie aus einer Fallvignette Kriterien gerechter Lösungen entwickelt werden können, die Solidarität als relationale Praxis operationalisieren.Flankierend werden institutionelle Rahmenbedingungen (Schulsozialarbeit, Elternkommunikation, Awareness-Strukturen, Umgang mit Widerstand) adressiert. Der Beitrag zielt weniger auf bloßen Wissenszuwachs als auf die Stärkung einer herrschaftskritischen, solidarischen Haltung in Bildungskontexten: Schülerinnen, Pädagoginnen und Leitungen sollen in die Lage versetzt werden, intergeschlechtliche Realitäten sichtbar zu machen, Betroffene zu schützen und gerechte Strukturen aktiv zu gestalten. So wird Gendergerechtigkeit nicht als Nische, sondern als Grundfrage von Gerechtigkeit und Menschenwürde im schulischen Handeln profiliert — anschlussfähig an den Tagungsfokus auf unbedingte, nicht-tauschförmige Solidarität.


Zielsetzung des Beitrags

Der Beitrag zielt darauf ab, Intergeschlechtlichkeit als Herausforderung für herrschaftskritische Gender-Ethik und schulische Bildung sichtbar zu machen. Queer-theoretische sowie Care- und Vulnerabilitäts-ethische Perspektiven werden mit didaktischen Ansätzen für den Ethikunterricht verbunden, um normative Geschlechterordnungen kritisch zu reflektieren und solidarische Handlungsperspektiven zu entwickeln. Im Fokus stehen diskriminierungssensible Bildungspraktiken, die Autonomie, Unversehrtheit und Teilhabe stärken sowie Sichtbarkeit ermöglichen, ohne Exotisierung oder Zwang zur Offenlegung zu reproduzieren.